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Publiziert am 25. Juni 2013 von unter:

Geheimdienste außer Kontrolle

Im digitalen Netz wird spioniert, was das Zeug hält. Erst „PRISM“, jetzt „Tempora“. Was Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger als „Alptraum à la Hollywood“ bezeichnete und der Kanzlerin nur ein „Das Internet ist für uns alle noch Neuland“ entlockte, erfüllt in der Tat die feuchten Träume eines jeden Verschwörungstheoretikers. Nie war das nebulöse „SIE sind unter uns. SIE beobachten uns. SIE wissen alles“ zutreffender als heute. Ein persönlicher Kommentar zur höchststaatlichen Datenschnüffelei.

Britische und amerikanische Geheimdienste interessieren sich offenbar brennend für unsere Kommunikation. Bild: Collage aus NSA und GCHQ Logo.

Britische und amerikanische Geheimdienste interessieren sich offenbar brennend für unsere Kommunikation. Bild: Collage aus NSA- und GCHQ-Logo.

Lassen wir uns die Details nochmal auf der Zunge zergehen: Das bis vor kurzem streng geheime US-Überwachungsprogramm „PRISM“ sollte die umfassende Überwachung von Personen innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten ermöglichen. Der kleine, aber feine Unterschied: Nicht verdächtige Personen wurden dabei überwacht, sondern flächendeckend alle Menschen, die im Netz unterwegs sind. Die NSA bekam ihre Daten dabei mehr oder weniger widerwillig von Unternehmen wie Microsoft, Google, Facebook, Yahoo!, Apple und anderen geliefert. Das britische Überwachungsprogramm „Tempora“ ging dabei offenbar noch weiter. Die Geheimdienstler zapften dabei den transatlantischen Datenverkehr direkt am Kabel an und konnten ungehindert den gesamten Daten- und Sprachverkehr mitlesen.

In der Öffentlichkeit versucht die Politik eine derartige Überwachung gerne als Schutz vor Terroranschlägen zu rechtfertigen. So tat es auch US-Präsident Obama bei seinem Besuch in Berlin, als Journalisten ihn auf „PRISM“ ansprachen. Doch längst ist klar: Die Überwachung ist außer Kontrolle geraten. Es geht nicht mehr nur um die frühzeitige Erkennung schwerster krimineller Handlungen. Neben dem ungerechtfertigten Eingriff in unser aller Privatsphäre wird mit solchen Projekten vor allem eines betrieben: Wirtschaftsspionage in großem Stil.

Erinnerungen an „Echelon“

Eigentlich hat man in der deutschen Wirtschaft eher Angst davor, von den Chinesen ausgehorcht zu werden. Doch offenbar sitzen die neugierigen Augen und Ohren auch direkt vor unserer Haustür.

Können Sie sich noch an „Echelon“ erinnern? Jahrelang gab es Gerüchte eines weltumspannenden Spionagenetzwerkes, das von den Geheimdiensten der USA, Großbritannien, Australien, Neuseeland und Kanada betrieben wurde. Erst eine Untersuchung des europäischen Parlaments im Jahre 2001 stellte die Existenz von „Echelon“ als gesichert dar. Im Zuge dessen wurde eine amerikanische Abhörstation im bayerischen Bad Aibling im Jahr 2004 geschlossen. Der Vorwurf: Hier soll vor allem Wirtschaftsspionage gegen europäische Unternehmen betrieben worden sein.

Diesmal war es kein Parlament, sondern ein junger Idealist, der die Werte von Freiheit und Demokratie verraten sah und „Prism“ und „Tempora“ öffentlich machte. Der Whistleblower Edward Snowden, ehemaliger Mitarbeiter des amerikanischen Geheimdienstes NSA, brachte den Stein ins Rollen. Für seine Offenheit zahlt er einen hohen Preis. Ausgerechnet Staaten wie China, Russland oder Ecuador, allesamt nicht gerade für Presse-, Meinungsfreiheit und Demokratie bekannt, bieten Snowden nun einigermaßen Schutz vor dem Zugriff der US-Justiz.

Machen wir uns also nichts vor. Es sind längst nicht nur die Chinesen, die auf unsere Daten schielen. Auch unsere engsten Partnerstaaten hören fleißig mit. Die Süddeutsche Zeitung beschreibt es als „Big-Data-Angriff auf die Bevölkerung eines befreundeten Landes„.

Mehr Sensibilität ist gefragt

Jetzt ist die Politik gefragt, zu handeln. Einfach nur von „Neuland“ zu sprechen, ist eine erschreckend anteilnahmslose Reaktion. Ungefähr so wirksam wie ein Alu-Hut. Doch was können wir selber jetzt tun? Sollen wir mit den Achseln zucken und weiter machen wie bisher? Frei nach dem Motto „Daran können wir ja eh nichts ändern“?

Hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben. Aber wir können den Geheimdiensten zumindest das Leben schwerer machen, indem wir mehr Sensibilität beim Umgang mit unseren Daten an den Tag legen: Das fängt schon damit an, sensible Daten nicht auf ausländischen Servern abzulegen, bei denen Sie nicht wissen, wer sonst noch Zugriff hat. Dann: Wenn etwas vertraulich bleiben soll, gehört es verschlüsselt. Das ist vielleicht lästig, sollten Ihnen aber Ihre Privatsphäre oder Unternehmens-Geheimnisse wert sein.

Mehr Sicherheit gibt es dabei schon kostenlos mit OpenSource Lösungen wie GnuPG (PGP-Verschlüsselung für E-Mails) oder TrueCrypt für Dateien und Ordner. OpenSource Produkte haben die Vorteil, dass der Quellcode offen liegt und heimliche Hintertüren, wie sie in kommerzieller Software vorkommen können, nicht lange unerkannt blieben. Und wenn Sie auf Dienste wie GoogleDrive oder Dropbox trotzdem nicht verzichten wollen, nutzen Sie zumindest BoxCryptor.

Eigentlich überflüssig zu sagen: Vertrauliche Informationen gehören auf keinen Fall über Soziale Netze kommuniziert. Egal wie sehr Sie dort den Leserkreis einschränken. Und last but not least: Ändern Sie regelmäßig ihre Passwörter!

Die Regierungen werden es schwer haben, das verlorene Vertrauen der Menschen zurück zu gewinnen.

Update 04.07.
Spiegel Online hat heute eine allgemein verständliche Anleitung zum Verschlüsseln von E-Mails via PGP mit dem Mailprogramm Thunderbird veröffentlicht. „Schutz gegen Internet-Spione: So verschlüsseln Sie ihre E-Mails

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