QSC ist jetzt q.beyond. Weitere Infos in unserer Pressemitteilung.

Cloud-Migration im Mittelstand: Bleistift statt Holzhammer

Mit dem Holzhammer à la „Alles per Lift & Shift in die Public Cloud“ lässt sich die Cloud-Migration im Mittelstand nicht erfolgreich gestalten. Ein von QSC initiiertes Diskussionspapier bietet Empfehlungen und Eckpfeiler für die Formulierung einer differenzierten Cloud-Migrations-Strategie und deren praktische Umsetzung. Ein Resümee.

 

Erfahrungen in der Corona-Krise unterstreichen die Notwendigkeit zur Cloud-Migration

„Alles in die Cloud!“ hallt es seit einigen Wochen wieder mit Nachdruck durch die Büroflure. Unternehmen – so lehrt die Corona-Krise – brauchen schließlich eine flexible und skalierbare IT, wenn sie in dem immer komplexeren Umfeld – Stichwort VUCA – bestehen wollen.

Tatsächlich bieten die Herausforderungen im Zuge von Corona geradezu ein Sinnbild für das vielzitierte „VUCA“ – also für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität als prägende Merkmale einer hochvernetzten, sich dynamisch verändernden Welt. Wie sich VUCA in der Praxis anfühlt, wurde spätestens mit dem coronabedingten Lockdown spürbar – als sich die Unternehmen gefordert sahen, von heute auf morgen auf Remote Work umzustellen, mit extremen Bedarfsschwankungen umzugehen sowie neue Vertriebs- und Lieferwege zu erschließen.

Und noch eines lernten (bzw. spürten) die Unternehmen: Akteuren, die in der Cloud-Migration bereits fortgeschritten sind, fällt es deutlich leichter, sich auf die dynamischen Änderungen des Marktumfelds einzustellen bzw. gestärkt aus Krisen, wie der Corona-Pandemie, hervorzugehen. An dieser Stelle denke ich an ein kürzlich geführtes Interview mit dem Digital-Verantwortlichen eines Herstellers von Hygienepapier. Mein Gesprächspartner räumte zunächst ein, dass nach den Traumumsätzen der letzten Wochen nun erstmal eine Absatzflaute droht. Dennoch zeigt er sich optimistisch im Hinblick auf das Jahresergebnis: Aufgrund der hohen Flexibilität und Skalierbarkeit bei Produktion und Logistik – unterstützt durch eine moderne IT – sei es dem Unternehmen schließlich gelungen, ungleich mehr als der Wettbewerb von der kurzzeitig explodierenden Nachfrage nach Toilettenpapier zu profitieren.

 

Ein Hase und eine Schildkröte warten auf einer Laufbahn auf den Startschuss für ein Wettrennen.

Ein von QSC initiiertes Diskussionspapier bietet Empfehlungen und Eckpfeiler für die Formulierung einer differenzierten Cloud-Migrations-Strategie und deren praktische Umsetzung. Bild: © GK Hart/ Vikki Hart / Getty Images

Die Cloud-Diskussion geht vielfach an den Bedürfnissen des Mittelstands vorbei

Für die Cloud-Plattform-Anbieter kommen solche Erfahrungen zur rechten Zeit – bieten sie doch Anlass für neue Appelle an den hiesigen Mittelstand, die Zurückhaltung beim Thema Cloud-Migration endlich aufzugeben. Die Cloud-Technologien seien schließlich ausgereift und wichtige Sicherheitsfragen gelöst. In den modernen Rechenzentren der großen Provider – so das gängige Argument der Cloud-Evangelisten ­-­ seien die Unternehmensdaten ohnehin besser aufgehoben als in den Kellern der widerborstigen Mittelstandsunternehmen.

Wer aber so argumentiert, der unterschätzt meines Erachtens die Herausforderungen der Cloud-Migration und missversteht die Bedürfnisse des Mittelstands bei diesem Thema. Schließlich geht es den meisten Verantwortlichen mittelständischer Unternehmen nicht darum, die Server im eigenen Keller zu wissen. Sie wollen vielmehr die Kontrolle über ihr Geschäftsmodell behalten, um mit der Cloud-Migration nicht in eine Kostenfalle zu laufen.

 

Die Cloud-Migration birgt Risiken und gestaltet sich schwieriger als häufig dargestellt

Der Erfolg hiesiger Mittelständler – dies sollte in der Diskussion nicht vergessen werden – basiert auf Spezialwissen und hochintegrierten Prozessen, die über eine gewachsene IT abgebildet sind. Der Gang in die Cloud gestaltet sich entsprechend schwieriger und birgt größere Risiken als bei einem Startup. Und bei aller Cloud-Euphorie gibt es heute auch genügend Beispiele, die belegen: Wer die Cloud-Migration allzu sorglos, im naiven Glauben an die Wertversprechen der großen Provider vorantreibt, riskiert ein böses Erwachen. Explodierende Lizenzkosten, eine Einengung des Aktionsradius, frustrierte Anwender etc.

Schließlich erschöpft sich die Cloud-Migration nicht mit der Lizenzierung einer Software-as-a-Service-Lösung für Webkonferenzen. Vielmehr stehen die mittelständischen Unternehmen hierzulande bei diesem Thema vor einer umfassenden Modernisierung und Neuausrichtung der IT-Landschaft – und damit vor kritischen Fragen: Welche Teile der IT sollen zukünftig wie betrieben werden, um die Geschäftsziele zu erreichen und einhergehende Risiken zu minimieren? Wie lässt sich deren Migration effektiv gestalten und wie das Zusammenspiel mit anderen Anwendungen gewährleisten?

 

QSC-Diskussionspapier: Spitzer Bleistift statt Holzhammer

Das aktuelle QSC-Diskussionspapier zur „Cloud-Migration im Mittelstand: Kostenfalle oder Businessmotor?“ (das in Kürze wieder zum Download zur Verfügung steht), an dem ich als Koordinator mitwirkte, griff diese Fragen auf und diskutierte sie mit fünf renommierten Cloud-Experten. Die Analyse mündet in sieben Empfehlungen, die als Leitplanken für die Diskussion und Formulierung der Cloud-Migrations-Strategie dienen sollen. Darüber hinaus bietet das Papier zahlreiche praktische Tipps und Lösungsansätze für deren Realisierung.

Die Arbeit an diesem Projekt – so räume ich gerne ein – hat meinen Blick auf dieses Thema verändert. Von der Notwendigkeit der Cloud-Migration bin ich weiter überzeugt, gleichwohl ist meine Demut angesichts der Größe und Vielschichtigkeit dieser Aufgabe enorm gewachsen. Einfache Antworten à la „Alles per Lift & Shift in die Public Cloud“ führen hier nicht zum Ziel. Wer hier mit dem Holzhammer agiert, so zeigt die Analyse, droht in die Kostenfalle zu tappen.

Vielmehr sollte – mit spitzem Bleistift – für jede einzelne Anwendung entschieden werden, welches (Cloud-)Betriebsmodell passend ist sowie auf welchem Weg sie wann migriert werden kann. Damit aber noch nicht genug: Die zentrale Herausforderung besteht darin, aus dem Nebeneinander verschiedener Cloudansätze eine Gesamtlösung zu schaffen, die sich effizient managen lässt und eine einheitliche Cloud-Experience gewährleistet. In Anlehnung an die Diskussion bei E-Commerce könnte man auch sagen: Die Kunst bei der Cloud-Migration ist es, über die Hybrid oder Multi Cloud hinaus eine funktionierende Omni-Cloud-Lösung zu schaffen.

 

Die Cloud-Migration ist eine Lernreise – die Dienstleisterbeziehung muss auf den Prüfstand

Die Cloud-Migration – so lernte ich weiter – ist kein klassisches Projekt, sondern eine Lernreise, die immer wieder neue Herausforderungen birgt. Um diese Herausforderungen zu adressieren bedarf es einer Strategie – wohlwissend, dass diese angesichts des sich dynamisch wandelnden Umfelds fortlaufend justiert werden muss. Und mindestens ebenso wichtig: Es braucht auch moderne, cloudfähige IT-Organisationen, die in der Lage sind, flexibel auf die sich ändernden Anforderungen zu reagieren.

Schließlich hat die Analyse auch meine Sicht auf die Rolle der Dienstleister(-beziehungen) im Zuge des Cloud-Trends geschärft. Richtig ist, dass die großen Cloud-Plattformen einen signifikanten Teil des herkömmlichen Outsourcing-Geschäfts an sich ziehen. Richtig ist aber auch: Es gibt einen steigenden Bedarf an Unterstützung durch strategische Dienstleistungs-partner, die mittelständische Kunden bei der Cloud-Migration begleiten und dabei auf Augenhöhe mit ihnen agieren. Um strategische Cloud-Partnerschaften zu etablieren, ist jedoch zunächst deutlich mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Outsourcing-Beziehung gefordert – und dies sowohl auf Seiten der Dienstleister als auch auf Seiten der Kunden. Kurzum: Die Geschäftsmodelle der Dienstleister, ebenso wie die Sourcing-Politik der Unternehmen, müssen auf den Prüfstand.

Mein Resümee: So notwendig die Cloud-Migration im Mittelstand – gerade angesichts der Erfahrungen während der Corona-Pandemie – erscheint, mit dem Holzhammer lässt sich dieses Thema nicht abhaken. Freilich sollten sich die Verantwortlichen auch nicht von der Größe und Vielschichtigkeit der Aufgabe schrecken lassen. Für alle hier angesprochenen Handlungsfelder gibt es pragmatische, mittelstandskonforme Lösungsansätze, die ebenfalls in dem Diskussionspapier zur Sprache kommen.

Aktualisierung im September 2020: Aufgrund der Umfirmierung des Unternehmens zu q.beyond wird die Studien-Website derzeit überarbeitet und steht demnächst wieder zur Verfügung. 

  • mitteilen 
  • teilen 
  • teilen 
  • email hidden; JavaScript is required
Drucken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Um die Diskussionsqualität zu wahren, veröffentlichen wir nur noch Kommentare mit nachvollziehbarem Vor- und Nachnamen sowie authentischer E-Mail-Adresse.