Nachhaltigkeit im Fokus: q.beyond wird klimaneutral

Die q.beyond AG hat sich mehr Sustainability auf die Fahnen geschrieben. Dazu zählt das Ziel, bis 2025 klimaneutral zu wirtschaften und die Unternehmensstrategie an Nachhaltigkeitszielen auszurichten. Was das genau bedeutet, haben wir Martina Altheim gefragt, die das Thema als Leiterin Corporate Social Resonsibility u.a. im Aufsichtsrat vorantreibt.

 

Key Visual für Nachhaltigkeit bei q.beyondFrau Altheim, Klimaneutralität in nur vier Jahren. Warum und vor allem wie will q.beyond das erreichen?

Martina Altheim: Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit und verträgt keinen Aufschub. Selbstverständlich wollen auch wir einen Beitrag zum Ziel des Pariser Klimaabkommens leisten, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das ist unsere unternehmerische Verantwortung.

Ausgehend von unserer CO2-Bilanz 2019 werden wir deshalb bis 2025 vor allem unsere Emissionen aus Strom, Kraftstoffen und Dienstreisen Schritt für Schritt um mindestens 40 Prozent reduzieren. Die übrigen Emissionen dieser Emittenten wollen wir kompensieren. Darüber hinaus werden wir auch alle wesentlichen Emissionsquellen entlang der Wertschöpfungskette bis zur Lieferung an den Kunden ausgleichen.

Wie haben Sie denn herausgefunden, wo im Unternehmen die größten Emissionen entstehen?

Martina Altheim: 2020 haben wir erstmals eine umfassende CO2-Bilanz nach dem Greenhouse Gas Protocol für die Geschäftsjahre 2019 und 2020 erstellt. Dieser international anerkannte Standard bezieht sowohl direkte Emissionen aus der eigenen Unternehmenstätigkeit als auch indirekte Emissionen zum Beispiel aus der Energieerzeugung oder aus Geschäftsreisen in die Bilanzierung ein. Daraus haben wir unsere Handlungsfelder abgeleitet.

„Es ist unsere unternehmerische Verantwortung,
einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“

 

Welche Rolle spielen dabei die Rechenzentren von q.beyond?

Martina Altheim: Sie waren der Ausgangspunkt. Es ist natürlich keine Überraschung, dass das Thema Strom für uns als IT-Dienstleister mit eigenen Hochleistungsrechenzentren seit Jahren im Fokus steht. Allein 95 Prozent unseres Gesamtstrombedarfs entfallen auf ihren Betrieb. Schon aus Kostengründen stehen kontinuierliche Energieeffizienzmaßnahmen bei uns auf der Tagesordnung. Derzeit beteiligen wir uns zum Beispiel am Förderwettbewerb Energieeffizienz des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie für Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV).

Schon seit 2018 betreiben wir die Rechenzentren zu 100 Prozent mit Ökostrom. Dadurch ergibt sich eine rein rechnerische Einsparung von rund 20.000 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr. Das entspricht in etwa der Summe der Pro-Kopf-CO2-Emissionen von 2.200 Deutschen im Jahr! In diesem Jahr werden wir auch die Stromversorgung unserer Büros auf regenerative Energien umstellen.

Doch auch bei Ökostrom entstehen – infrastrukturell bedingt – unvermeidbare Emissionen, auf die wir selbst keinen Einfluss haben. Diese werden wir über hochwertige Zertifikate aus der Beteiligung an Klimaschutzprojekten kompensieren. Unser gesamter Stromverbrauch wird dadurch sogar schon Ende 2021 klimaneutral gestellt sein!

„Das Thema Strom steht für uns als IT-Dienstleister mit eigenen
Hochleistungsrechenzentren seit Jahren im Fokus“

 

Sie sagten aber, dass es auch um Dienstreisen geht.

Martina Altheim: Ja. Hier hat uns die Pandemie die Augen geöffnet: Wir konnten 2020 unsere Emissionen gegenüber 2019 auf rund 1.748 Tonnen CO2-Äquivalente nahezu halbieren – vor allem wegen des Lockdowns und dem damit verbundenen Verzicht auf Mobilität und Dienstreisen. So haben wir erkannt, dass wir bei Kraftstoffverbräuchen im Fuhrpark und bei Dienstreisen noch große Reduktionspotenziale haben. Die wollen wir in den kommenden vier Jahren ebenfalls ausschöpfen.

Ist es denn realistisch, dass die Belegschaft künftig auf Reisen verzichtet?

Martina Altheim: Nach meiner persönlichen Einschätzung werden wir nach Überwindung der Pandemie nicht in die alten Verhaltensweisen zurückfallen. Unsere Beschäftigten haben die Vorteile von Home-Office, Videokonferenzen und Collaboration-Tools schätzen gelernt. Die damit verbundene Flexibilität wird bleiben und hat sogar die Zufriedenheit gesteigert, wie auch die Ergebnisse unserer Mitarbeiterumfragen zeigen. Das wird den CO2-Fußabdruck verkleinern.

Notwendige Dienstreisen werden selbstverständlich weiterhin stattfinden – sei es zu Kunden, Analystenkonferenzen, Branchentreffs und auch zu größeren Teammeetings. Dann macht es allerdings einen großen Unterschied für die CO2-Bilanz, ob man innerdeutsch die Bahn oder den Flieger nimmt. Der Zug sollte künftig die Regel und das Flugzeug die Ausnahme darstellen – vor allem auf Kurzstrecken.

In unserem Fuhrpark werden wir vermehrt auf E-Mobilität setzen und Dienstwagen mit Elektroantrieb zur Verfügung stellen.

 

„Auf Dienstreisen verzichten, vermehrt auf E-Mobilität setzen“

 

Gibt es neben dem Klimaschutz weitere Nachhaltigkeitsziele, die sich q.beyond gesetzt hat?

Martina Altheim: Allerdings. Und wir haben hierzu einen spannenden Lernprozess hinter uns: Die intensive Auseinandersetzung mit der Materie haben wir ehrlich gesagt zunächst als Pflichtübung gestartet. Als Aktiengesellschaft sind wir zur jährlichen Berichterstattung über unsere nichtfinanziellen Themen verpflichtet. Wir müssen also unsere Umwelt- und Sozialbelange transparent machen. Dadurch wurde uns aber klar, welche großen zusätzlichen Chancen mit dem Thema Nachhaltigkeit auch für die ökonomische Entwicklung unseres Unternehmens verbunden sind, die weit über den CO2-Fußabdruck hinausgehen.

Übrigens hat uns die Auseinandersetzung mit den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen dabei sehr geholfen. Die Agenda 2030 ist so etwas wie ein Zukunftsvertrag darüber, wie die Menschheit wirtschaftlichen Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und den Ökosystemen gestalten kann. Wir haben identifiziert, zu welchen SDGs q.beyond tatsächlich Beiträge leisten kann und inwieweit Nachhaltigkeitsfragen auf unseren Unternehmenserfolg einwirken. Bei neun der SDGs war das der Fall, darunter die Bekämpfung des Klimawandels (SDG 13), woraus sich unser Vorhaben der Klimaneutralität abgeleitet hat.

Weitere Details zu unserem umfangreichen Nachhaltigkeitsmanagement finden Sie in unserem Nachhaltigkeitsbericht 2020, der erstmals auch sämtlichen Kriterien des Deutschen Nachhaltigkeitskodex entspricht.

„Wir haben verstanden, dass wir bei der
Nachhaltigkeit einen Stakeholder-Ansatz verfolgen müssen“

 

Was war das Ergebnis des Lernprozesses?

Martina Altheim: Wir haben verstanden, dass wir bei der Nachhaltigkeit einen Stakeholder-Ansatz verfolgen müssen: Dabei spielen die Interessen aller eine Rolle, die mit q.beyond in Verbindung stehen: also die Interessen von Kunden, Mitarbeitenden, Aktionären, Partnern und Lieferanten, aber auch die der Gesellschaft.

Unsere Nachhaltigkeitsaktivitäten sind eine Investition in die Zukunftsfähigkeit von q.beyond, wenn wir sie mit unserem Geschäftsmodell synchronisieren. So entsteht eine Win-Win-Situation für das Unternehmen auf der einen Seite und die Gesellschaft/Umwelt auf der anderen Seite. Mit anderen Worten: Mit Nachhaltigkeit können wir sogar Geld verdienen!

Das klingt spannend! Können Sie das näher erläutern?

Martina Altheim: Wir wollen die Loyalität unserer Kunden und Mitarbeitenden weiter erhöhen und neue digitale Nachhaltigkeitslösungen in unser Portfolio aufnehmen.

Zufriedene Kunden empfehlen uns weiter und sichern dadurch unsere wirtschaftliche Existenz. Voraussetzung ist ein konsequenter Kundenfokus. Zufriedene Mitarbeitende empfehlen uns als Arbeitgeber weiter. Dadurch punkten wir im War for Talent. Schließlich speist sich unsere Innovationskraft aus der Belegschaft und wir können unser Portfolio so weiterentwickeln, dass es schnell genug auf die Entwicklung von Wirtschaft, Ökologie und Gesellschaft reagiert.

Alle drei Ziele sichern unsere Anpassungsfähigkeit an neue Rahmenbedingungen. Nachhaltiges Wachstum durch wiederkehrende Umsätze und robuste Kernprozesse mit niedrigem CO2-Fußabdruck machen uns dabei krisenfest. Denn darum geht es letztlich: die geschäftliche Resilienz. Darunter verstehen wir die Fähigkeit, externe Krisen oder Verwerfungen der sozialen, wirtschaftlichen, umweltbezogenen oder politischen Rahmenbedingungen auszuhalten (Resistenz), uns an neue Bedingungen anzupassen (Anpassungsfähigkeit) und damit trotz Einwirkungen von außen unsere Stabilität zu gewährleisten. Dafür haben wir uns die passenden Ziele gesetzt.

 

„Als IT-Dienstleister unterstützen wir unsere Kunden dabei,
selbst Nachhaltigkeitsziele zu erreichen“

 

Und wie verdient man dann mit Nachhaltigkeit Geld?

Martina Altheim: Der Schlüssel liegt in unserem Portfolio: Damit können wir die Dekarbonisierung der Geschäftsprozesse unserer Kunden vorantreiben. Unsere digitalen Prozesse und Dienste rund um Cloud, SAP und IoT ersetzen häufig Herstellung, Transport und Verbrauch von Gütern. Unser Digital Workplace ermöglicht zum Beispiel eine standortunabhängige Zusammenarbeit, reduziert Dienstwege und sorgt nebenbei auch noch für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zur Vermeidung von Abfällen haben wir einen digitalen Zero-Waste-Assistant entwickelt, der von der Handelskette Fressnapf eingesetzt wird. Und mit umfassenden Cyber-Security-Lösungen schützen wir unsere Kunden zuverlässig vor Cyberkriminalität.

Dies sind nur einige Beispiele, die zeigen: Als IT-Dienstleister unterstützen wir unsere Kunden dabei, selbst Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Im vergangenen Jahr haben wir folgerichtig Nachhaltigkeit in unsere Strategie und unseren Markenkern integriert.

Haben Sie auch Anreize geschaffen, damit die Nachhaltigkeitsziele tatsächlich erreicht werden?

Martina Altheim: Ja, der Aufsichtsrat hat die Erreichung unserer Nachhaltigkeitsziele mit Wirkung zum 1. Januar 2021 zum Bestandteil der variablen Vorstandsvergütung gemacht – für den aktuellen Vorstand und alle künftigen Vorstandsmitglieder.

 

Über Martina Altheim

Porträtbild von Martina Altheim

Seit Januar 2020 verantwortet Martina Altheim (Jg. 1970) vom Standort Köln aus die Corporate Social Responsibility und damit die Nachhaltigkeitsthemen der q.beyond AG. Die Diplom-Biologin hat seit Juli 2019 außerdem einen Sitz als Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat. Martina Altheim kam 2006 zum Unternehmen (bis 2020 QSC AG) und arbeitete zunächst als Prozessmanagerin,  ab 2016 leitete sie das Zentrale Prozess- und Qualitätsmanagement. Nach ihrem Studium in Köln und anschließender Weiterbildung in Umwelt-Controlling und Ökoauditing am KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung hatte ihre Karriere als Trainee bei der Reifenhäuser GmbH & Co. KG Maschinenfabrik begonnen. Danach war sie einige Jahre bei der Duales System Deutschland AG tätig, zuletzt als Prozessmanagerin.

Martina Altheim lebt in Köln, ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes. Sie begeistert sich für Design und Innenarchitektur und genießt Waldspaziergänge ebenso wie Fernreisen.

 

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