RISE with SAP – die nächste Revolution?

Die weltweiten Umsätze im Cloud-Geschäft steigen rasant an. Mit einiger Verspätung ist auch SAP dort groß eingestiegen und holt inzwischen beträchtlich auf. Der Software-Konzern bietet Unternehmen jetzt unter dem Titel „RISE with SAP“ einen „Concierge“-Service für die Transformation in die Cloud. Wir haben uns das neue Angebot genau angesehen und geben unsere Eindrücke zu den Inhalten und Leistungsumfängen der ersten Wochen.

Pärchen beim Bergwandern auf einem Gipfel im Sonnenuntergang

RISE with SAP: Bei der Digitalisierung mit SAP ganz nach oben? Bild: © Milo Zanecchia/ Ascent Xmedia / Getty Images

Die weltweiten Umsätze im Cloud-Geschäft steigen rasant an. Allein in Deutschland sind die Umsätze laut einer Studie mit Cloud Computing Services von 2016 bis 2020 um 300 Prozent auf über zehn Milliarden Euro anstiegen. Die Pandemie befeuert diesen Trend. Und laut einer Studie von Gartner werden die höchsten Umsätze im Public-Cloud-Geschäft in diesem und den folgenden Jahren erwartet.

Diesem Trend schließt sich jetzt auch SAP verstärkt an. Es gibt jedoch Software-Anbieter im Markt, die cloud-native in die Entwicklung eingestiegen sind und sich in den vergangenen Jahren im Bereich von Cloud-Software einen Vorsprung erarbeitet haben. Dieser Fakt kann auch vom riesigen Software-Konzern in Walldorf nicht einfach ignoriert werden.

SAP, der weltweit führende Anbieter von Geschäfts-Software, hat in den vergangenen Jahre beträchtlich aufgeholt und zunächst über verschiedene Cloud-Lösungen für einzelne Lines of Business das bestehende Software-Portfolio ergänzt. Nun macht SAP den Unternehmen ein fast unmoralisches Angebot. Ein „Concierge“-Service für die Transformation in die Cloud mit – nach SAP-Angaben – unschlagbaren Betriebskosten und einem vereinfachten Transformationsprozess.

 

Wieviel Mehrwert bietet das SAP-Starterpaket?

SAP scheint seine Hausaufgaben gemacht zu haben und tritt jetzt mit diesem neuen Service RISE with SAP in den Markt. Es umfasst ein Bundle-Angebot mit SAP S/4HANA in der Cloud als zentralem Baustein. Dabei werden alte und neue Dienste und Services von SAP miteinander kombiniert und im Rahmen einer einzigen monatlichen Gebühr Kunden direkt oder über SAP-Partner wie q.beyond angeboten.

RISE with SAP ist wie eine Reise strukturiert: Den Startpunkt zum „intelligenten Unternehmen“ bestimmt jedes Unternehmen selbst. Wie man in der folgenden Abbildung (1) über die „Business Transformation as a Service“ sieht, wird diese Reise mit dem Business Process Redesign – dem Design der Prozesse – begonnen, mittels Process Discovery (ehemals Business Scenario Recommendations) und künftig angereichert mit dem Portfolio von Signavio, einem Marktführer für Business Process Transformation, den SAP kürzlich akquiriert hat.

 

Business Transformation as a Service

Abbildung 1: Business Transformation as a Service. Quelle: © SAP SE

 

Der nächste Schritt auf der Reise umfasst die Technical Migration, also die notwendigen Tools und Services für eine technische Migration zu S/4HANA. Hier finden sich die schon meistbekannten Dienste wie der Readiness Check, der Custom Code Analyzer oder auch das Learning Hub wieder. Wobei die Learning Hub Edition optional mit erworben werden kann und nicht wie ursprünglich angenommen mit inkludiert ist. Aber auch die Migrationswerkzeuge wie der „Software Update Manager“ und die „Database Migration Option“ – kurz SUM bzw. DMO sind integriert.

Applications, Platform, Infrastructure: Die Infrastruktur und die Betriebsleistungen stellen SAP und ein frei wählbarer Hyperscaler zur Verfügung. Sie können von ausgewählten Partnern wie q.beyond mit sogenannten Technical Managed Services (TMS) und Application Management Services (AMS) unterstützt werden. Eine Neuigkeit ist wie schon bei den zwei vorigen Punkten hier auch nicht zu erwarten. Hosting beim Hyperscaler bieten Anbieter wie q.beyond schon lange an. Neu ist allerdings das kommerzielle Bundling der drei Punkte aus dem Hause SAP.

Aus HCP wurde SCP und jetzt BTP. Verstanden, oder etwa nicht? Die ehemalige SAP Cloud Plattform (SCP) oder auch ursprünglich genannte HANA Cloud Platform (HCP) wird jetzt als Business Technology Platform (BTP) für Erweiterungen, Zusatzentwicklungen und als Integrationsplattform beworben. Diese Integrationsplattform stellt auch den Zugang zum Starterpaket Ariba Business Network (DSN), Asset Intelligence Network (AIN) und dem Logistics Business Network (LBN) zur Verfügung.

RISE with SAP – Bestandteile

  • S/4HANA in der Public- oder Private-Version
  • Hosting der Lösung bei einem Hyperscaler Ihrer Wahl – AWS, AZURE, GCP, (SAP)
  • Tools & Services für die Migration in die Cloud wie eine Custom Code Migration App, der Readiness Check sowie eLearnings via Learning Hub
  • SAP Business Process Intelligence für die Optimierung von Geschäftsprozessen mittels Process Discovery, KI, Robotic Process Automation und IoT
  • Guthaben (CPEA-Credits, CPEA=Cloud Platform Enterprise Agreement Credits) für die SAP Business Technology Platform (ehemals SAP Cloud Platform)
  • Einsteigerpaket für das SAP Business Network mit ARIBA Network, Asset Intelligence Network und dem Logistics Business Network

Die Business Technology Platform (BTP) ist Bestandteil von RISE with SAP. Macht Sinn. Für die Nutzung der BTP ist ein Kontingent von Credits enthalten, das flexibel genutzt werden kann. Ergibt auch Sinn. Aber wie weit reichen die Credits? Und wie wirkt sich ein Mehrbedarf auf die Gebührenentwicklung aus?

Auch bei den Starterpaketen für die Cloud-Netzwerke DSN, AIN und BSN stellt sich die Frage nach dem Mehrwert. Was soll ein Unternehmen mit diesem „Starterpaket“ anfangen, wenn es keinen prozessualen Nutzen aus den Komponenten ziehen kann? Alle anderen sollten sich frühzeitig mit dem Upgrade-Pfad beschäftigen, um nicht in eine Kostenfalle zu laufen.

 

SAP S/4HANA Cloud System mit Preisvorteil

Der Dreh- und Angelpunkt ist das SAP S/4HANA Cloud System in einer public bzw. private Ausprägung. SAP möchte mit RISE with SAP allen Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation unter die Arme greifen und den Umstieg in die Cloud-Welt erleichtern. Egal, wo man auf seiner Reise zur Digitalisierung steht, könne dieses Angebot dabei unterstützen, seine Unternehmung zu einem „intelligenten Unternehmen“ zu wandeln, so SAP.

Diese ganzheitliche Betrachtungsweise, zusammengefasst in einem Angebot und einer Materialnummer, kann für mittelständische Unternehmen zum Game Changer werden. Insbesondere die durch SAP angepriesene Senkung der Gesamtbetriebskosten um bis zu 20 Prozent im Vergleich zur On-Premises-Implementierung wird zur Diskussion anregen. Denn das neue attraktive Preismodell für dieses Bundle ist zur Abwechslung wirklich eine Neuigkeit. Es wird nur ein Subskriptionspreis für alles zu entrichten sein, der in einer Fünf-Jahres-Betrachtung die Kosten von allen denkbaren Betriebsvarianten unterbieten soll.

Offen sind aber Fragestellungen wie: Welche Systemlandschaft brauchen Sie und wird diese mit „RISE“ geliefert? oder auch: Reichen die Credits für die BTP oder muss hier eine weitere Position in die TCO-Rechnung aufgenommen werden?

 

Keep it simple?

Auch unter der Führung von Christian Klein, CEO von SAP, scheint der Slogan „Keep it simple“ seines Vorgängers Bill McDermott im Unternehmen Bestand zu haben. So wurde zum Beispiel die unübersichtliche Anzahl Usertypen auf drei reduziert: Advanced, Core und Self-Service, die in unterschiedlicher Gewichtung in die Metrik Full-Use Equivalents umgerechnet werden.

Doch welches Lizenzierungsmodell ist jetzt für Sie die beste Option? Das klassische On-Premises „Use“-Modell mit Einmalbezug der Lizenzen und jährlicher Wartungsgebühr oder das Full-Use-Equivalent „FUE“-Modell der Cloud-Variante auf Subskriptionsbasis? Der Betrachtungszeitraum der Kostenrechnung und die flexible User-Nutzung sollten hier im Fokus liegen.

Und wie im S/4HANA-On-Premises-Lizenzmodell sollte auch hier der Ermittlung der benötigten User-Typen große Sorgfalt beigemessen werden. Mit einem vermeintlich einfachen Mapping ist es zur Vermeidung von Kostennachteilen nicht getan.

USE versus FUE – Lizenzen bei RISE with SAP

User-Typen im On-Premises-Umfeld werden in vier Kategorien eingeteilt und je nach genutztem Funktionsumfang der gewünschten Rolle zugeordnet. Man unterscheidet hier:

  • Professional Use
  • Functional Use
  • Productivity Use
  • Developer Access

Ein Full User Equivalent (FUE) entspricht einer zu erwerbenden Einheit, die gleichgesetzt ist mit einem Professional Use User. Dieser User-Typ kann aber variabel eingesetzt werden für unterschiedliche Nutzungstypen gemäß einer vorgegebenen Gewichtung:

Gewichtungsfaktor > User-Typ

0,5 > S/4HANA Cloud, Developer Access

1,0 > S/4HANA Cloud for advanced use

5,0 > S/4HANA Cloud core use

30 > S/4HANA Cloud for self-service use


Beispielrechnung
:

40 SAP S/4HANA Cloud for advanced use            = 40 FUE

75 SAP S/4HANA Cloud for core use                      = 15 FUE

270 SAP S/4HANA Cloud for self-service use       =  9 FUE

Ein wichtiges Entscheidungskriterium für viele SAP-Bestandskunden könnte sein, dass die Private Cloud Edition sich wie eine On-Premises-Installation verhält – mit dem einzigen Unterschied, dass das System bei einem Hyperscaler der Wahl (Azure, AWS, Google Cloud) betrieben wird.

Mit RISE with SAP, private cloud edition ist auch ein Brownfield-Ansatz zur Transformation eines ECC oder auch eines bestehenden S/4HANA-Systems möglich und gegenüber den bisher von SAP angebotenen S/4HANA-Cloud-Versionen essentials und extended, die nur den Greenfield-Ansatz ermöglichten, auf der Nutzenseite von RISE with SAP zu verbuchen.

Sie behalten mit der S/4HANA Cloud, Private Edition ihre systemische Freiheit und können auf den vollen Funktionsumfang eines aktuellen (Release 2020) On-Premises-Systems zurückgreifen.

 

Unser Zwischenfazit: Lassen Sie sich beraten

Mit RISE with SAP verspricht SAP die Business Transformation as a Service in die Cloud. Das kann durchaus gelingen, wenn die angebotenen Services unter fachkompetenter Führung genutzt werden. Der Nutzen der als Starterpakete enthaltenen Cloud-Netzwerke ist kundenindividuell zu bewerten. Das finanzielle Angebot lässt aufhorchen, bietet aber aus Anwendersicht auch Risiken für Folgekosten.

Handelt es sich um einen Turbo oder einen Blender? Die Frage wird jedes Anwendungsunternehmen nur nach ausführlicher Beratung und Diskussion der individuellen Ausgangslage und Zielsetzung für sich beantworten können.

 

 

Sind Sie schon RISE-ready?

Damit Sie als SAP-Bestandskunde auf RISE with SAP setzen können, muss Ihre eingesetzte Software einen bestimmten Release-Stand ausweisen. Siehe Abbildung 2.

Abbildung 2: Technische Anforderung an RISE with SAP. Quelle: SAP SE

Abbildung 2: Technische Anforderung an RISE with SAP. Quelle: © SAP SE

 

Stand heute muss ein SAP ECC 6.0-Kunde die Konvertierung auf ein S/4HANA-2020-Release-System durchführen, bevor das System unter dem Deckmantel RISE with SAP beim Hyperscaler betrieben werden kann. Vor dieser Herausforderung stehen noch die meisten Unternehmen und q.beyond hält hierfür die richtigen Werkzeuge und ausgebildeten Berater bereit.

Am Beginn einer solchen Migration steht nämlich die Frage:

  • Wo fängt man an?
  • Was ist zu klären?
  • Mit welcher Methode legt man los?

Um einen leichten Einstieg und guten Überblick darüber zu erhalten, hat q.beyond ein Transformation Launchpad entwickelt – mit 25 Themenboxen zu allen zu bedenkenden Aspekten: von Analytik, Business Partner Umstellung, Datenmigration und Lizenzen bis zu SAP embedded Solutions. Sie finden es auf unserer Website.

Wer jedoch bereits auf S/4HANA umgestellt hat, kann ab dem Release 1709 auf RISE with SAP migrieren und hat dann noch ein Jahr Zeit, um auf die aktuelle Version von S/4HANA upzugraden. Die „Mainstream“-Wartung steht für ein S/4HANA Release nämlich für fünf Jahre zur Verfügung und sollte bei der Umstellung in die Cloud-Welt beachtet werden, um nicht in ein „Zwangs-Upgrade“ zu laufen.

SAP liefert täglich neue Informationen zu RISE with SAP und wir von q.beyond halten Sie gerne auf dem Laufenden. Die Inhalte dieses Blogbeitrags basieren auf den von SAP zur Verfügung gestellten Informationen vom 26. Februar 2021.

 

Sie haben Fragen zum RISE with SAP-Angebot von SAP?

Kontaktieren Sie uns einfach: Wir sind autorisierter RISE-with-SAP-Partner, der Sie gerne berät und prüft, ob das neue Angebot von SAP zu Ihrer IT-Strategie und Ihren Geschäftsprozessen passt.

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Weiterlesen über die SAP-Services bei q.beyond:

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